SVR 2014: Misserfolge in der Bildungspolitik

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SVR 2014: Misserfolge in der Bildungspolitik

Beitrag  Admin am Mo Nov 17, 2014 12:08 pm

Facebook, Gruppe "Integration durch Bildung": https://www.facebook.com/groups/TD.IntegrationDurchBildung/

Über den "Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Migration und Integration (SVR)":

"Am WE hatte ich im Rahmen der 2. Integrationskonferenz des Kreisintegrationszentrum Mettmann die Möglichkeit, Herrn Prof. Ludger Pries aufmerksam zu lauschen. Leider habe ich seinen Vortrag noch nicht vorliegen, jedoch stammen die Schwerpunkte im Wesentlichen aus seiner Tätigkeit im Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Migration und Integration (SVR).

Hiernach sagt der SVR wie folgt zur Bildung:

„‚Baustelle Bildung‘: wenig Fortschritte
Bildung ist Voraussetzung für eine möglichst umfangreiche Teilhabe an allen Kernbereichen der Gesellschaft.
Mit Bezug auf aktuelle Studien zur Leistungsfähigkeit des Bildungssystems wird im SVR-Jahresgutachten 2014 ein dringender Bedarf an Bildungsreformen in der Einwanderungsgesellschaft begründet; dies betrifft vor allem die Durchlässigkeit des Schulsystems, die sich in den letzten fünf Jahren kaum erhöht hat, die individuelle Förderung von Schülern und die verbesserte Ausbildung von Lehrern im Umgang mit einer heterogenen Schülerschaft. Schule muss sich stärker darauf ausrichten, sozial bedingte Unterschiede in den Lernvoraussetzungen zu kompensieren und sie nicht noch zu verstärken. Zugegeben, es konnten Erfolge erreicht werden. So haben sich die Unterschiede der erworbenen Kompetenzen von Schülern ohne und mit Migrationshintergrund in den letzten Jahren etwas verringert.

Der in internationalen Vergleichsuntersuchungen gemessene Leistungszuwachs von Schülern in Deutschland wurde sogar maßgeblich durch die Leistungsgewinne der Schüler mit Migrationshintergrund bewirkt. Auch haben die Kita-Besuchsquoten sowie der Gymnasial- und Hochschulbesuch von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in den vergangenen fünf Jahren zugenommen.

Dennoch sind weiterhin bedenkliche Entwicklungen zu beobachten, die wohl nur als Misserfolg zu bezeichnen sind:

Es ist besorgniserregend, dass immer noch zu viele Jugendliche ihre Schullaufbahn beenden, ohne einen Abschluss vorweisen zu können. Ebenso bedenklich ist die Tatsache, dass in Deutschland Daten der OECD zufolge mehr als 10 Prozent aller Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 16 und 29 Jahren keine Berufsausbildung absolvieren, keiner Erwerbsarbeit nachgehen und sich auch keiner beruflichen Fortbildung unterziehen (Not in Education, Employment or Training; NEET). Damit sind mit hoher Wahrscheinlichkeit eine anschließende Arbeitslosigkeit, ein Leben in Abhängigkeit von Sozialtransfers und ein subjektives Gefühl von Desintegration und Nutzlosigkeit vorprogrammiert.

Ebenfalls als Alarmsignal und wohl auch als Ausweis bildungs- und integrationspolitischer Misserfolge zu sehen ist die Tatsache, dass Schüler mit zwei im Ausland geborenen Eltern trotz eines langsamen Aufholprozesses am Ende der Grundschule im Schnitt immer noch etwa ein Lernjahr hinter ihren Mitschülern ohne Migrationshintergrund zurückliegen.

Ohne dabei die Bedeutung des sozioökonomischen Hintergrunds des Elternhauses als Erklärungsgröße zu ignorieren, kann hier von migrationsbedingten und erfolgshemmenden Effekten ausgegangen werden, die durch das Schulsystem nicht kompensiert werden.

Derzeit gibt es in Deutschland weder eine angemessene Vorbereitung aller Kinder auf die Schule noch einen konzeptionell abgestimmten Plan, wie Mehrsprachigkeit realisiert und gleichzeitig die Deutschkenntnisse verbessert werden können. Ganz im Gegenteil:

Unterschiedliche Zuständigkeiten im Bereich der vorschulischen und der schulischen Qualifikation sorgen für politisches Geplänkel und gegenseitige Blockaden. Der SVR regt an, besonders die im Kindergarten startenden Sprachförderungsprogramme stärker mit der Sprachbildung in der Grundschule zu verzahnen. Er regt weiter eine Vereinheitlichung der Verfahren zur Ermittlung des Sprachförderbedarfs sowie einen Ausbau qualitativ hochwertiger Ganztagsschulangebote und an die Vielfalt der Schüler angepasste Bildungskonzepte an. Hier ist mehr denn je eine offensive Bildungspolitik gefragt.

(Für weitere Informationen und Handlungsempfehlungen s. B.1.1, B.2.3.)

Quelle: http://www.svr-migration.de/.../SVR-Jahresgutachten-2014...

Hier ist gesamte Studie und weitere Informationen zum Jahresgutachten 2014 verfügbar:

http://www.svr-migration.de/content/?page_id=5489
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SVR: "Integrationskurse als Teil der Reformen des aktivierenden Wohlfahrtsstaats"

Beitrag  Admin am Mo Nov 17, 2014 12:23 pm

Dies gilt umso mehr, als die Integrationskurse für Neuzuwanderer, die mit dem Zuwanderungsgesetz 2005 geschaffen wurden, eng an die neue sozialstaatliche Philosophie des ‚Förderns und Forderns‘ gekoppelt und mit dem allgemeinen Sozialrecht verbunden wurden. Entsprechend sind auch die Integrationskurse – die einzige zentrale zuwandererspezifische Maßnahme – vor allem als Teil der Reformen des aktivierenden Wohlfahrtsstaats zu begreifen (Bommes 2008; s. dazu auch Joppke 2007; Michalowski 2007; Groh/Weinbach 2005; Weinbach 2005), der durch eine „Ergänzung des ordnungsrechtlichen Charakters des Migrationsrechts durch eine sozialstaatliche Komponente“ (Thym 2010: 300f.) umgesetzt wird. In den letzten Jahren wurde diese Maßnahme kontinuierlich nachgebessert und neu justiert.

http://www.svr-migration.de/content/wp-content/uploads/2014/04/SVR_JG_2014_WEB.pdf (S. 136)

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