Kommentar zum Brief der GEW

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Kommentar zum Brief der GEW

Beitrag  Admin am Sa Jan 05, 2013 12:38 am

Hallo an alle Lehrkräfte,

anbei schicken wir euch einen offenen Brief der GEW. Für uns ist die Strategie der GEW leider nicht ganz durchschaubar.
Der Brief ist in der Anlage beigefügt.

Die GEW fordert ein Honorar von 30 €, welches
a) in die Altersarmut führt, wie die GEW selbst schreibt,
b) die Hauptforderung nach einem abhängigem Beschäftigungsverhältnis untergräbt und
c) die Scheinselbstständigkeit verlängert.

Das ist für uns nicht nachvollziehbar. Ein Mindesthonorar wäre zwar ein erster Schritt, aber wie die Bundesregierung
wiederholt erklärt hat, ist sie nicht befugt, in die Vertragsfreiheit zwischen "Selbstständigen" und ihren Auftraggebern
einzugreifen. Nun sind die Lehrkräfte zwar gar keine Selbstständigen, wie die GEW nicht müde wird zu behaupten,
aber trotzdem hält die GEW an ihrer Forderung nach einem Mindesthonorar fest.
In dem Brief findet sich kein Wort zum Thema Scheinselbstständigkeit und Sozialversicherungsbetrug.

Die Grünen fordern mittlerweile 30 €, ebenso wie die Linken. Nur die SPD hält 26 € immer noch für ausreichend. Was ist, wenn
die SPD (erwartungsgemäß) ebenfalls 30 € fordert? Ist das Problem dann gelöst?

Dieses sogenannte "Mindesthonorar", von dem die GEW spricht, ist nur eine Empfehlung des BAMF, es ist für die Träger nicht
verbindlich und es gibt praktisch keine Sanktionen. Es ist auch nicht einklagbar. Das BAMF verbindet damit nur die "Hoffnung",
dass die Träger freiwillig ein bisschen mehr an die Lehrkräfte abgeben, aber auch Honorare von 10 € sind dann noch möglich.
Der Träger würde seine Zulassung eben nur für ein Jahr bekommen und müsste sie dann wieder verlängern. So ist es heute mit den
20 €, die das BAMF sich als Honorar erhofft, und so wäre es dann mit den 30 €, die die GEW sich wünscht.

Die 30 € sind für die GEW die "unterste Haltelinie". Was heißt das? Würde die GEW danach sofort 35, 40 oder 45 € fordern? Um von
dem Job leben zu können sind für einen echten Selbstständigen mindestens 50 € notwendig. Aber nochmal: der Staat kann bei Selbstständigen
sowieso kein Honorar vorgeben, weil es die verfassungsmäßig geschützte Vertragsfreiheit gibt.

Die negativen Auswirkungen eines Mindesthonorars wären vielleicht größer als die positiven: ein Mindesthonorar würde bedeuten,
dass die Lehrkräfte "selbstständig" sind, denn Honorare gibt es nur bei Selbstständigen.
Selbstständige haben aber keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, auf bezahlten Urlaub, und auf die hälftigen
Sozialversicherungsbeiträge. Auch auf Kündigungsfristen oder ein Arbeitszeugnis besteht kein Anspruch.

Wie will man, wenn man einmal ein Mindesthonorar durchgekämpft hat, dann noch zu einem richtigen "Beschäftigungs"-verhältnis
kommen, das dem Angestelltenstatus von Lehrern gleicht? Ist von Seiten der GEW überhaupt vorgesehen, dass Lehrkräfte in
Integrationskursen jemals einen Anspruch auf bezahlten Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall haben? Die Forderung nach
einem Mindesthonorar zielt genau in die andere Richtung.

Manche Lehrkräfte erreichen schon über eine simple Statusprüfung bei der RV Bund den Angestelltenstatus. Fast alle Lehrkräfte können
sich ihren Arbeitsort und die -zeit nicht aussuchen und müssten gemäß den Kriterien der RV Bund eigentlich als Angestellte beschäftigt
sein, und nicht als Selbstständige.

Wir meinen, dass man an der Linie der Scheinselbstständigkeit weiter bohren sollte, und nicht an den Honoraren.

Hier ein Zitat von der Kollegin Roswitha Haala:
"Der jeweiligen Regierung kommt eine Sozialsubvention im Jetzt (Aufstocken) und im Alter (Grundsicherung)
für Integrationskurslehrkräfte viel billiger als die Scheinselbstständigkeit zuzugeben und entsprechend angemessen bezahlte Arbeitsplätze
im Angestelltenverhältnis zu schaffen."
Deutsch-als-Fremdsprache

Damit trifft sie den Nagel auf den Kopf.

Viele Grüße

Georg, Marion und Stephan

PS: Am 11.01. erscheint unser Kommentar zu der Zusatzquali in Alphakursen bei MIGAZIN.
Ab dann schreiben wir dort regelmäßig jeden 2. Freitag im Monat. Ihr dürft uns gerne noch
ein paar knackige Kommentare schreiben, die wir gerne in den Text einbauen.




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Antworten von Lehrkräften

Beitrag  Admin am Sa Jan 05, 2013 12:40 am

Hallo,



mit Honorarforderungen möchte ich mich nicht mehr abgeben. Für mich sollte es in unseren Forderungen nur noch um sozialversicherungspflichtige Verträge gehen, alles andere ist Augenwischerei.

In meiner Sprachschule wurde mit inoffiziell bereits mitgeteilt, dass eine Regionalkoordinatorin wohl in einem Gespräch schon von Plan B , der in den Schubladen bereit liege, gesprochen wurde.

Leider nicht zitierfähig.., dennoch gut zu wissen, an welcher Stelle wir weiterbohren müssen….

Wie wäre es mit einem Brief an die GEW, um dies deutlich zu machen..?

Könnt ihr das machen mit allen Unterschriften?

Oder soll ich einen Kommentar an die GEW schreiben?

Ich bin jedoch kein Mitglied..



Ganz liebe Grüße und weiterhin ganz herzlichen Dank an euch!!

Monika

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Re: Kommentar zum Brief der GEW

Beitrag  Admin am Sa Jan 05, 2013 12:42 am

Hallo Georg Niedermüller,

ich habe vor Jahren (2008) eine Petition eingereicht, in der ich gefordert habe, dass die Dozenten in die KSK (Künstlersozialkasse) aufgenommen werden. Da dort der Staat einen Obolus entrichtet, der Auftraggeber und der Auftragnehmer, um so die Kranken- und Rentenversicherung für alle Teilnehmenden machbar zu bezahlen. Das wäre ein bestehendes und funktionierendes System, das nur um die Sparte DaZ/DaF-Dozenten erweitert werden müsste. Lehrkräfte aus den „künstlerischen“ Bereichen und Übersetzer können sich dort schon jetzt versichern. So könnten sich die Dozenten ohne das Damoklesschwert „viel zu teure Renten-/Krankenversicherungen“ beruhigt und abgesichert ihrer Arbeit widmen. Übrigens, als Antwort auf meine Petition habe ich unter anderem zu lesen bekommen:

„Künstler und Publizisten erbringen unvertretbare, d. h. höchstpersönliche Leistungen, die in besonderer Weise der Vermarktung bedürfen, um ihr Publikum und also ihre Abnehmer zu finden. Daraus erwächst eine besondere Verantwortung der Vermarkter auch für die soziale Sicherung der – typischerweise wirtschaftlich Schwächeren - selbständigen Künstler und Publizisten, ähnlich der Arbeitgeber für ihre Arbeitnehmer. Dies unterscheidet das Verhältnis der Künstler zu ihren Vermarktern vom Verhältnis anderer Selbständiger zu ihren Auftraggebern.“

Also wenn das nicht für uns in gleichem Maße gilt. Schließlich übernehmen wir eine staatliche Aufgabe, ohne vom Staat wirklich geschützt zu werden. Im Gegenteil wir werden genötigt von unseren knappen Ressourcen in das Renten-Systeme einzuzahlen, so dass für viele das tägliche Leben knapp wird.

Vielleicht sollte man noch mal in die Richtung „staatliche Absicherung ähnlich wie KSK“ gehen. Die Bundesrepublik stiehlt sich in unserem Fall einfach aus der Verantwortung und nimmt soziale Missstände billigend in Kauf. Schließlich ist Deutschland ein Einwanderungsland und sogar unsere Bundeskanzlerin möchte, dass auch zukünftig gut ausgebildete Menschen aus allen Ländern bei uns arbeiten.

Gruß Anke

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Re: Kommentar zum Brief der GEW

Beitrag  Admin am Sa Jan 05, 2013 12:42 am

Ihr Lieben,

ein dolles neues Jahr mit allem, was ihr euch wünscht - vorab!

Tja, es ist eine Gratwanderung, wenn wir ein höheres Honorar bekämen - ich rede nicht von den versprochenen 2 € Trinkgeld mehr ab März, sondern eine angemessene Alternative z.B. 30 € oder noch besser 50 € - wäre das sehr schön und erstmal ein Wonne für den Geldbeutel oder das gebeutelte Konto, wobei auch unbedingt Vor- und Nachbereitungszeit bezahlt werden müssten.
Letztendlich ist es dann doch nur 'ungenügender Schein', da durch arbeits- und auftragsfreie Zeit und/oder Erkrankung eine unzumutbare finanzielle Lücke entsteht.
Der Status der Selbstständigkeit muss verschwinden, es gibt genügend Argumente! Das Honorargeplänkel ist ein geschicktes Ablenkungsmanöver auf das wir uns nicht einlassen dürfen, um die eigentliche Forderung FEST2013 in den Köpfen der Verantwortlichen ankommen zu lassen.

Herzlichst
Uschi

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Re: Kommentar zum Brief der GEW

Beitrag  Admin am Sa Jan 05, 2013 12:43 am

Hallo Georg,

ich hab mal einfach gerechnet, was die freiberuflichen Lehrkräfte an Honorar erhalten müssten, der Betrag beläuft sich auf 70 € für die UE, denn erst mit diesem Betrag erreichten wir die Vergütung wie Sekundarstufen II Lehrer.
In diesen Betrag wären dann eingerechnet die Vorbereitungszeiten so wie die Sozialabsicherung und der Gewinn,den ich als Selbständiger
erwirtschaften muss.
dann wäre eine Gleichstellung mit den angestellten und beamteten Lehrern bei der Vergütung erreicht.

Der Zuschlag für den Gewinn ist notwendig, weil ja auch Leerlaufzeiten, in denen keine Kurse stattfinden, finanziert werden wollen.

Ansonsten bin ich mit Deinen Ausführungegn weitestgehend einveratanden.

Grüße

Peter

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Re: Kommentar zum Brief der GEW

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